Schuluniformen

von Anna Schindler
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01.04.2026
Schuluniformen sind kontrovers. Sie schränken die Freiheit des Individuums ein. Andererseits treten soziale Unterschiede in den Hintergrund. Der Wettbewerb um die neusten Marken und angesagtesten Outfits entfällt weitgehend. Schüler:innen geraten weniger unter Druck, um in ihrer Peer-Gruppe akzeptiert zu werden. Ein Blick auf die Vor- und Nachteile eines umstrittenen Konzepts.

In der Schweiz, Deutschland und Österreich haben Schuluniformen keine Tradition und gelten als Einschränkung der persönlichen Freiheit. In Japan und England sind Schuluniformen tief in der Kultur verankert. Dabei existieren häufig geschlechterspezifische Vorgaben, Mädchen tragen Röcke und Blusen, Jungen tragen Anzüge. In England wird das längst hinterfragt. Dort zeigt sich bereits ein Wandel: An vielen Colleges dürfen Schülerinnen mittlerweile Hosen und die Schüler Schul-Röcke tragen. Die Zukunft geht Richtung geschlechtsneutrale Kleidung. Die Max-Dortu-Grundschule in Potsdam hat ein zeitgemässes Konzept entwickelt. Dort tragen die Kinder einheitliche Schulkleidung. Die Eltern können diese mit ihren Kindern direkt über die Schul-Homepage bestellen, die angebotenen Kleider sind mehrheitlich genderneutral.

Schlabberhosen und Hotpants

Bei uns gilt freie Kleiderwahl. Doch wie frei ist sie wirklich? Sind Markenturnschuhe, Hoodies und Jeans nicht ein Must-have? Zudem gibt es auch bei uns No-Gos. In Schweizer Schulen wird nicht alles toleriert. Schlabbrige Trainerhosen, bauchnabelfreie Tops, Hotpants und Kopftücher sind an unseren Schulen nicht gern gesehen. Die Schule bestimmt jeweils in ihrer Hausordnung, was angemessen ist. Das Volksschulgesetzt des Kantons St. Gallen hat Weisungen zu Kleidervorschriften erlassen. Und ein Bundesgerichtsurteil von 2015 hat entschieden, dass zum Beispiel religiöse Kopfbedeckungen in Schulen erlaubt sind, wenn diese das Kind nicht behindern. Es gibt also auch bei uns Regeln, welche Kleidung angemessen ist.

Vor- und Nachteile der Schuluniform

Schuluniformen sind in der Regel von guter Textil-Qualität. Die Kleider sind dadurch länger tragbar und nachhaltig. Die Kinder und Jugendlichen selbst empfinden es als Erleichterung, am Morgen nicht überlegen zu müssen, was sie anziehen sollen. Zudem fördern Uniformen das Gemeinschaftsgefühl. Bei all diesen Vorteilen ist es kaum zu glauben, dass die Schuluniform in der Schweiz praktisch inexistent ist.

Kulturelle Unterschiede erklären einiges. In Japan wird das Wohl der Gruppe höher gewertet als das Wohl des Individuums. Die Priorität, soziale Unterschiede äusserlich in den Hintergrund zu stellen, ist allerdings auch in Japan nicht vollständig umsetzbar. Leute mit niedrigem Einkommen können sich nur Second-Hand-Schuluniformen leisten, was äusserlich sichtbar ist. Das erinnert an die teuren Marken-Turnschuhe von Schweizer Kindern. Auch bei uns können und wollen sich nicht alle diesem Label-Diktat beugen. Im Vergleich punktet die Schuluniform deutlich: Soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Stärkung der Gemeinschaft.

Die individuelle Schulkleidung bleibt für unsere Kinder und ihre Eltern eine Herausforderung.

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