Wie baut man ein Kloster?

Campus Galli kommt nach St. Gallen

von Roger Fuchs
min
09.06.2026
Es ist die bekannteste Klosterbaustelle der Region: Campus Galli im deutschen Messkirch. Tag für Tag schaffen dort Handwerksleute und Ehrenamtliche mit den Mitteln des 9. Jahrhunderts ein Kloster auf der Grundlage des St.Galler Klosterplans. Am UNESCO-Welterbetag vom 14. Juni kommt das Team von Campus Galli nach St.Gallen. Hannes Napierala, Geschäftsführer von Campus Galli erzählt.

Am Welterbetag 2026 ist Campus Galli aus Messkirch von 11.30 bis 17.30 Uhr im Stiftsbezirk St.Gallen zu Gast. Was bekommen die Menschen zu sehen?

Hannes Napierala: Am liebsten hätten wir unsere gesamte Baustelle mitgebracht, weil wir sehr gerne nach St.Gallen kommen und hier – genau wie auf der Insel Reichenau – die Wurzeln unseres Projekts liegen. Um zumindest einen Ausschnitt aus unserem Alltag zeigen zu können, kommen unter anderem Steinmetz und Zimmerer mit, weil das Gewerke sind, die für die Baustelle besonders wichtig sind. Aus unserem Team der Museumspädagogen sind ebenfalls Leute dabei, sodass wir auch etwas zum Mitmachen anbieten können.

 

Wie viel Geduld braucht es eigentlich, um mit den Methoden des Frühmittelalters zu bauen – und was lernt man dabei über unsere heutige Zeit?

Hannes Napierala: Es ist wie beim Bergsteigen, man muss einfach einen Fuss vor den anderen setzen, den Moment geniessen und nicht nur an den Gipfel denken. Früher oder später ist man am Ziel. Wir lernen unter anderem auf diesem Weg, wie clever die Menschen früher mit ihren Ressourcen umgegangen sind. Müll gab es nicht, alles wurde irgendwie weiterverwertet, repariert oder umgestaltet. Das geschah natürlich aus der Not heraus, und weil man nicht einfach im Baumarkt oder im Internet Nachschub kaufen konnte. Man lernt aber auch viel über Menschen, und dass jede und jeder in einem Team einen Beitrag leisten kann, um ein Projekt voranzubringen.

 

Was bedeutet es dem Team von Campus Galli, am Welterbetag nach St.Gallen und somit an den Ort des St.Galler Klosterplans – dieser ist im Ausstellungssaal des Stiftsarchivs ausgestellt – zurückzukehren?  

Hannes Napierala: Der Stiftsbezirk St.Gallen erfüllt uns immer wieder mit Ehrfurcht und Begeisterung gleichermassen. Vor unserem inneren Auge sehen wir das beeindruckende Kloster, das Pilgernden auf dem Weg nach Rom als Zwischenstation diente – wir sehen geschäftiges Treiben, Menschen zu Fuss, mit dem Ochsenkarren und zu Pferd. Die Mönche, die all diese Menschen lenken und leiten und fahrende Händler und Handwerker, die den Pilgern Waren und Dienstleistungen anbieten... Geschichte wird hier nahbar und lebendig.  

 

Und welche Rolle spielt der St.Galler Klosterplan, der Abt Gozbert als Inspiration diente, konkret auf der Baustelle in Messkirch – ist er ebenfalls eher Inspiration oder exakte Anleitung?

Hannes Napierala: Das ist eine Frage, mit der wir uns permanent beschäftigen, und je nach Gebäude und Situation auch zu unterschiedlichen Schlüssen kommen. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte zwischen Inspiration und Anleitung.

 

Wo merkt ihr bei eurer Arbeit am ehesten, wie durchdacht der Klosterplan war?

Hannes Napierala: Die Fülle an Informationen, die in diesem Plan steckt, von konkreten Gewächsen im Gemüsegarten bis hin zu Toiletten, Öfen, Werkstätten und vielem mehr zeigt, dass man sich sehr viel Arbeit mit diesem Plan gemacht hat und viel Mühe investiert hat. Insofern ist er als Gesamtplan sehr durchdacht. Im Detail wissen wir aber oft nicht, was genau gemeint war – beispielsweise wie die Dächer aussahen, ob Gebäude ein- oder zweistöckig waren, und weiteres.

 

Wenn die einstigen Mönche von St.Gallen heute die Baustelle in Messkirch besuchen könnten – worauf wären sie stolz, worüber würden sie staunen?

Hannes Napierala: Sie wären sicher stolz, dass ihr eigenes Schaffen noch nach über 1000 Jahren eine Bedeutung besitzt und man ihre Arbeit fortsetzt. Sie würden aber wohl Staunen, dass es beim Bauen heute so viele Vorschriften gibt.

 

Und zum Schluss: Was ist die Botschaft des Campus-Galli-Teams in St.Gallen?

Hannes Napierala: Wir hoffen, dass allen St.Gallerinnen und St.Gallern klar ist, welchen Schatz sie mit dem Stiftsbezirk St.Gallen und den vielen mittelalterlichen Handschriften haben. Wir möchten dazu beitragen, dies noch sichtbarer zu machen und hoffen natürlich, dass manch St.Gallerin oder St.Galler dann auch einmal zu einem Besuch auf unseren Campus Galli in Messkirch kommen.

 

Information und Tickets

Das Team von Campus Galli ist am UNESCO-Welterbetag, 14. Juni, von 11.30 bis 17.30 Uhr auf dem Gallusplatz St.Gallen zu Gast. Detaillierte Programminfos: www.stiftsbezirk.ch/de/welterbetag

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