Mein neuer Hoodie und ich
Irgendwann klingelte das Telefon. Dani Müller, unser Drucker aus Bühler, war am anderen Ende der Leitung und fragte mich, ob ich ihn nicht fotografieren könnte. «Klar», habe ich gesagt, «das kann ich machen. Komm vorbei.» Kurz darauf stand er an einem schönen Sommertage vor mir, mit einem orangen Kapuzenpullover, Hoodie oder Schlumpf, wie wir früher gesagt haben, auf dem vorne was drauf stand. Ich war beeindruckt und habe ihn gefragt, ob er den selbst bedruckt habe. Und dann er so: «Jau. Den habe ich selbst gedruckt.»
Wir haben die Fotos gemacht. In seinem Hoodie sah das alles sehr dekorativ aus. Hinterher fragte er mich: «Lars, sag mal, wie wollen wir das jetzt mit dem Bezahlen machen?» Und jetzt kommt der pfingstliche Moment der Geistesgegenwart. Ich habe gesagt: «Dani, mach mir bitte einen Hoodie, in schwarz, mit einem Beffchen.» Und das hat er tatsächlich gemacht.
Produktion in Bühler
Der Hoodie hat eine Wirkung. Bis jetzt hat er allen Leuten, denen ich den gezeigt habe, ein Lächeln auf die Lippen gezaubert. Das ist schön. Ich hatte schon seit Jahren nach so einem Hoodie gesucht, aber habe nie einen gefunden. Jetzt werden die bei uns in Bühler produziert. Wenn Du möchtest, kannst Du Dir auch einen bestellen. Das läuft unter «Kirchenmerch». Im Angebot haben wir auch Polo-Shirts mit «Bodenpersonal» hinten drauf und einem Kirchenlogo auf der Brust. Die Hemden tragen wir in der Kirchenvorsteherschaft voller Stolz. Es gibt auch Waschlappen, die wir bei der Taufe abgeben.
Warum ich schon immer so einen Hoodie haben wollte? Zum einen, weil ich bei Open-Air-Gottesdiensten nicht so richtig Lust habe, meine weiße Albe anzuziehen. Ich habe immer Sorge, dass die dann dreckig wird. Und die Alben haben in den vergangenen 25 Jahren preislich massiv zugelegt. Wahrscheinlich mit einer stärkeren Wertsteigerung als Gold. Meine erste Albe hat vor 26 Jahren 1'000 Franken gekostet. Meine aktuelle kostete schon 2800 und der neue Talar, den Beata bekommen hat, über 5000 Franken. Der Hoodie ist deutlich billiger, keine Sorge.
Der Hoody ist zu lesen
So kann ich jetzt also, wenn ich draussen Gottesdienst feiere, meinen Hoodie anziehen. Auch bei Gottesdiensten im Altersheim. Dieses Zeichen vorne drauf funktioniert. Es ist zu lesen. Meine Aufgabe ist klar.
Und zu lesen ist es auch, und das ist der zweite Grund, wenn ich ins Spital gehe und Krankenbesuche mache. Ich habe früher ganz oft erlebt, dass Leute vom Pflegepersonal oder von der Physiotherapie mich je nach Alter, entweder für den Sohn, den Partner oder den Vater des Patienten gehalten haben, früher auch noch gelegentlich für das Enkelkind. Und dann haben sie mich aus dem Zimmer geschickt. Seit ich den Hoodie trage, ist es klar. Jetzt sagen sie: «Ah, sie sind von der Seelsorge! Schön.» Jetzt werde ich nicht mehr weggeschickt, sondern die Leute ziehen sich selbst zurück und kommen später noch einmal vorbei. Der Hoodie setzt ein deutliches Zeichen: Das, was da jetzt am Krankenbett passiert, das ist auch wichtig. Das trägt auch zur Heilung desjenigen bei, der da im Bett liegt.
Und so habe ich zwar keine Uniform, aber doch wenigstens etwas, das mich erkennbar macht, was den Leuten ein Lächeln ins Gesicht zaubert und was schon von weitem deutlich macht: Da kommt einer, der nicht alleine unterwegs ist. Der hat Gott mindestens im Gepäck und es könnte passieren, dass sich das Leben in der Begegnung verändert.
Mein neuer Hoodie und ich