Wir sind verantwortlich

von Heinz Mauch-Züger
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01.10.2026
Verantwortung kommt ins Spiel, wenn etwas schief geht. Zunehmend wird von Selbstverantwortung oder von Eigenverantwortung geredet und man tut so, als wüsste man genau, was damit gemeint ist.

Mit dem Blick auf die Rolle von Verantwortung in unserer hochtechnisierten Gesellschaft erschien im Jahr 1979 das Buch des Philosophen Hans Jonas mit dem Titel «Das Prinzip Verantwortung». Es ging darum, eine Handlungsgrundlage für eine technologische Zivilisation zu schaffen. Technische Entwicklungen wie die Kernenergie, die Genetik und andere technologischen Errungenschaften haben Auswirkungen, welche über Generationen hinausgehen und sich auf eine Weise auswirken können, die von Menschen nicht mehr kontrollierbar ist. Seine Maxime war: «Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlungen verträglich sind mit dem Fortbestand menschlichen Lebens auf Erden.» Diese Maxime erinnert an die sogenannte goldene Regel, wie sie in der Bibel und auch in anderen Kulturen schon seit mehr als 2000 Jahren bekannt ist. In der Bibel lautet sie: «Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen. Damit wird alles erfüllt, was als göttliches Gesetz und mit der Verkündigung der Propheten vorgegeben ist». *

Eine Erweiterung dieses Grundsatzes in den Bereich der Um- oder Mitwelt erscheint heute folgerichtig und zeigt, wie Verantwortung sich verändern kann.

Verantwortung und Verpflichtung

Verantwortung wird nur dort wirksam, wo es Regeln oder Grundsätze gibt. Deshalb stammt der Begriff auch aus dem Bereich des Rechtswesens. Verantwortung ist nicht einfach eine persönliche Ansicht, sondern leitet sich ab aus einer Verpflichtung gegenüber Regeln.

Verantwortung bietet die Chance, verlässlicher zu werden.

Demokratische Gesellschaften haben die Verantwortung und damit die Möglichkeit, Regeln mitzubestimmen, mehr und mehr «nach unten» abgegeben. Andere Gesellschaften haben die Regelsetzung bei den herrschenden Vertretungen ihrer Völker festgemacht. Verantwortung bedeutet dort, die Verpflichtung zur Einhaltung der von oben festgelegten Regeln ohne Einfluss auf Veränderung an sich wandelnde Bedürfnisse.

Selbstverantwortung und Eigenverantwortung

Die Zwiespältigkeit, die sich mit der Verantwortung auftut, ist nicht jedermanns Sache. Dass Selbstverantwortung mit der Schaffung von Selbstvertrauen durch einen achtsameren Umgang mit sich selbst beginnt und neben einem verantwortungsbewussten Umfeld viel Durchhaltewillen verlangt, ist nicht jeder und jedem einsichtig. Selbstvertrauen als Wahrnehmung in die eigene Fehlerhaftigkeit und als Grundlage für Fremdvertrauen legt die soziale Basis für Verständnis und Toleranz. Wer sich selbst absolut setzt, verfehlt den Spielraum zur Behebung von Fehlentwicklungen und damit zur Übernahme von Eigenverantwortung. Eigenverantwortung wird sichtbar durch die aktive Umsetzung des Umgangs mit sich selbst als Wahrnehmung von Pflichten und Aufgaben als Teil der Gesellschaft.  

Verantwortung traut einem etwas zu

Wer Verantwortung übernimmt, lernt, sich etwas zuzutrauen. Sie oder er erhält die Möglichkeit, Erfahrungen zu machen, die den eigenen Horizont erweitern und das Leben bereichern. Es entsteht Verständnis dafür, dass es nicht immer so kommt, wie man sich das vorgestellt hat. Verantwortung bietet die Chance, verlässlicher zu werden und Dankbarkeit einzuüben. Die Menschenkenntnis wächst und mit ihr hoffentlich auch der Wille, den Mitmenschen etwas zuzutrauen.

Heinz Mauch-Züger

 

*Bibel: Matthäus Kapitel 7. Vers 12; Lukas Kapitel 6. Vers 31.

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