Meine Lieblingsmusik

Mein Herz kennt keine Schublade

von Beata Laszli, Pfarrerin Reute-Oberegg
min
01.05.2026
Wenn ich gefragt werde, was meine Lieblingsmusik ist, komme ich ins Nachdenken. Denn ich habe keine einzige Lieblingsmusik. Mich begleiten, je nach Lebenslage, ganz unterschiedliche Klänge. Musik ist für mich weniger eine Stilfrage als eine Lebensfrage: Was brauche ich gerade? Was stärkt mich? Was bringt etwas in mir zum Klingen?

Schon als Kind bekam ich eine Kassette mit vertonten Psalmen. Ich hörte sie so gern, dass ich manche Psalmen bereits singen konnte, bevor ich sie später bewusst las. Das hat mich geprägt: Worte des Glaubens dürfen nicht nur gedacht, sondern auch gesungen werden. Bis heute freue ich mich, wenn ich Psalmen oder Evangelientexte in neuer musikalischer Form entdecke.

Musik begleitet mich aber nicht nur hörend, sondern auch spielend. In der Schulzeit lernte ich verschiedene Instrumente kennen, später spielte ich mehrere Jahre in einer Blaskapelle. Noch heute greife ich gern selbst zur Musik. Besonders schön ist es, wenn ich mit meinem Sohn gemeinsam musizieren kann. Musik verbindet Generationen auf eine ganz natürliche Weise.

Die Musik hat mir Menschen geschenkt.

Auch Menschen hat mir die Musik geschenkt. Während meines Studiums besuchte ich Tanzanlässe mit Klezmermusik, bei denen wir gemeinsam Kreistänze tanzten. Später war ich an meiner ersten Pfarrstelle in der Schweiz sechs Jahre lang Jugendpfarrerin. Mit Jugendlichen hatten wir eine Band, in der ich Gitarre und Bass spielte. In dieser Zeit konnten wir durch Musik über grosse Lebensfragen sprechen, Gefühle ausdrücken und Gemeinschaft erleben. Ein damaliges Bandmitglied ist bis heute mit unserer Familie verbunden.

Im letzten Jahr durfte ich im Rahmen meines Vikariats in Bühler ein Gemeindeprojekt gestalten, mit Essen, Spiel und Musik. Eine Musikerin, Punk Paula, trat dabei auf und half mit, dass Menschen verschiedener Generationen miteinander ins Gespräch kamen. Musik kann Brücken bauen, wo Worte allein manchmal nicht genügen.

Auch durch schwere Zeiten hat mich Musik getragen. Es gibt Klänge, die helfen, Trauer auszuhalten. Andere schenken neue Kraft oder wecken Lebensfreude. Manchmal sagt eine Melodie mehr als viele Sätze.

Seit August 2025 arbeite ich als Pfarrerin in Reute. Auch dort ist unser Gottesdienst musikalischer geworden. Unsere Mesmerin Alexandra Musche unterstützt die Gemeinde mit ihrer Singstimme, und unser Organist Kaspar Wagner spielt neben der Orgel auch E-Piano. Wir haben ein neues Liedheft entwickelt und singen Lieder mit modernen Texten, die berühren und ansprechen.

Ich bin dankbar dafür. Denn ich glaube: Durch gute Musik und gemeinsames Singen können wir auf eine Weise beten, die ohne Melodie manchmal verborgen bliebe. Musik öffnet Räume in der Seele, die Worte allein nicht immer erreichen.

Darum frage ich heute weniger nach meiner Lieblingsmusik als nach dieser Frage: Welche Musik tut meiner Seele gut? Welche lässt mich hoffen, atmen und leben?

Vielleicht lohnt es sich, in diesem Sommer, wieder einmal bewusst Musik zu hören oder selbst mitzusingen. Vielleicht entdecken wir dabei etwas Überraschendes: Dass Gott uns manchmal auch durch Melodien berührt.

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