Beim Namen nennen

Wie heissen sie, die im Meer ertrinken?

von Sebastian Schneider
min
07.06.2024
Wie in neun weiteren Städten der Schweiz findet in St.Gallen die Flüchtlings-Gedenkaktion «Beim Namen nennen» statt. Am kommenden Wochenende vom 8. und 9. Juni werden die Namen und die Todesursache von Flüchtenden genannt und ihre Namen aufgehängt. An der Aktion, die in und um die St.Laurenzen-Kirche stattfindet, beteiligen sich Menschen verschiedenen Glaubens.

Die Liste wird l├Ąnger und l├Ąnger. Und immer tragischer. Offiziell sind es ├╝ber 60'000 Menschen, die seit 1993 auf der Flucht nach Europa gestorben sind. Was sind das f├╝r Menschen? Wie heissen sie? Unter welchen Umst├Ąnden mussten sie ihr Leben lassen? Diese Fragen greift die 24-Stundenaktion ┬źBeim Namen nennen┬╗ auf.

Namen werden vorgelesen

Engagierte Gl├Ąubige aus der Stadt St.Gallen wollen verhindern, dass die reichen Gesellschaften ihr Mitgef├╝hl f├╝r diese Trag├Âdien verlieren, und lesen am kommenden Wochenende, von 12 Uhr samstags bis 12 Uhr sonntags, ihre Namen und ihre Schicksale vor und schreiben ihre Namen und Todesursachen auf weisse Stoffstreifen. Die Aktion findet heuer zum vierten Mal in St.Gallen statt. Da die Liste der Verstorbenen immer l├Ąnger wird, wurde die Aktion ausgeweitet: Seit dem vergangenen Jahr werden die Namen in verschiedenen Kirchen und Moscheen und Gemeinden im Kanton gelesen und nicht nur zentral an der Aktion in der St.Laurenzen-Kirche. ┬ź2023 war ein besonders betr├╝bliches Jahr┬╗, sagt Projektleiter Chika Uzor von der Katholischen Kirche. ┬ź├ťber 8000 Fl├╝chtlingen verstarben an den Aussengrenzen Europas; sie sind im Meer, im Wald oder auf dem Feld tot aufgefunden worden und wurden offiziell gemeldet.┬╗

St.Gallen ist eine Woche voraus

├ťber ┬źUnited Against Refugee Deaths┬╗ gelangen die Namen der Verstorbenen an die Organisatoren von ┬źBeim Namen nennen┬╗. Die Listen werden den Glaubensgemeinschaften weitergeleitet, wo Freiwillige die Namen auf Zettelchen schreiben. Danach werden die Namen in Gottesdiensten gelesen und die Zettelchen zentral gesammelt. An der 24-Stunden-Aktion werden s├Ąmtliche 60'000 Namensstreifen an Leinen rund um die St.Laurenzen-Kirche geh├Ąngt.

Die Aktion findet in der Schweiz in Hinblick auf den Weltfl├╝chtlingstag am 15. Und 16. Juni statt. Die Stadt St.Gallen allerdings feiert an diesem Wochenende ihren Begegnungstag, weshalb ┬źBeim Namen nennen┬╗ um eine Woche vorverschoben wurde. Die Aktion ist 2019 in Bern entstanden. Unterdessen findet sie in zehn Schweizer und sieben Deutschen St├Ądten statt.┬á

Stadtrat Gabathuler und ein Manifest

Damit die Aktion w├╝rdevoll abgehalten werden kann, braucht es Dutzende Helferinnen und Helfer. Am Freitag zum Beispiel nageln Freiwillige die Aufh├Ąngevorrichtungen f├╝r die Leinen zusammen und stellen diese rund um die St.Laurenzen auf. In der Kirche werden die Namen gelesen ÔÇô dabei wird laut Uzor Chika ┬źzeitlich r├╝ckw├Ąrts┬╗ gelesen, die aktuellsten F├Ąlle kommen zuerst. Zu den Freiwilligen gesellen sich auch immer wieder Stadtr├Ąte. Zuletzt las auch Stadtpr├Ąsidentin Maria Pappa. Dieses Jahr hat sich Stadtrat Matthias Gabathuler als Helfer eingetragen. Er wird am Sonntag in einer der letzten Schichten Namen vorlesen.

Zur diesj├Ąhrigen Aktion haben die Organisatoren ein Manifest f├╝r die Wahrung von Menschenrechten auch an den Grenzen Europas verfasst. Dieses kann an der Aktion selber, am Begegnungstag oder online unterzeichnet werden. Das Manifest wird noch in diesem Sommer dem Bundesrat ├╝bergeben.

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