Wenn die Welt still steht

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09.11.2020
In der Schweiz sterben jährlich rund 700 Kinder gegen Ende der Schwangerschaft, unter der Geburt, oder in der ersten Lebenszeit. Fachleute schätzen zudem, dass etwa jede fünfte bekannte Schwangerschaft durch eine Fehlgeburt in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten endet. Das bedeutet: täglich werden zahlreiche Familien mit dem frühen Tod ihres Kindes konfrontiert.

Wenn das erwartete Kind stirbt, bevor das Leben richtig begonnen hat, ist das Unfassbare f├╝r betroffene Eltern eingetreten. Ihre Welt steht still. Hoffnung, Vorfreude, Erwartung wenden sich abrupt in tiefen Schmerz, Trauer und grosse Verzweiflung. Manche Eltern erfahren bereits in der Schwangerschaft, dass ihr Kind nicht gesund auf die Welt kommen wird, f├╝r viele tritt der fr├╝he Tod ihres Kindes aber auch v├Âllig unerwartet ein. Was brauchen betroffene Familien, um trotz allem Eltern zu sein von ihrem Kind, das kaum gelebt hat? Wie k├Ânnen sie lernen, mit diesem grossen Verlust weiterzuleben? Wie reagiert man als Angeh├Ârige auf eine solche Nachricht? Und was f├╝r Angebote gibt es f├╝r betroffene Familien und Angeh├Ârige in der Schweiz?

Benennen was ist und dar├╝ber reden

Im Leben werdender Eltern ist die Geburt eines Kindes ein ├Ąusserst pr├Ągender Moment. Wenn gleich darauf der Tod folgt, werden Eltern zeitnah mit zwei existentiellen Ereignissen konfrontiert, so, wie sonst selten im Leben. Noch vor wenigen Jahren waren Eltern, die ihr Kind w├Ąhrend Schwangerschaft, Geburt oder erster Lebenszeit verloren haben, sich selbst ├╝berlassen. Der fr├╝he Tod eines Kindes war ein Tabuthema und es fehlte schlichtweg das Verst├Ąndnis f├╝r die grosse Trauer der betroffenen Familien. Meist haben M├╝tter, und erst recht V├Ąter und Geschwister, ihr totes Kind, ihren kleinen Bruder oder ihre verstorbene Schwester, nie gesehen. Erst in den letzten Jahren entwickelte sich zunehmend eine Trauerkultur auch f├╝r fr├╝h verstorbene Kinder und ihre Familien. Ein Kindsverlust ist f├╝r alle Beteiligten schwer auszuhalten. Verst├Ąndlich, dass das dazu verleiten kann, alles m├Âglichst schnell ┬źhinter sich┬╗ und ┬źzu Ende┬╗ bringen zu wollen. Heute wissen wir aber, dass das h├Ąufig gut gemeinte Schonen und ┬źTotschweigen┬╗ Eltern zus├Ątzlich schwer belasten und in eine noch tiefere Isolation f├╝hren kann. Nicht dar├╝ber zu sprechen ist f├╝r die Eltern so, als ob verleugnet w├╝rde, dass jemals ein Kind da war.

 

┬źWenn das erwartete Kind stirbt, bevor das Leben richtig begonnen hat, ist das Unfassbare f├╝r betroffene Eltern eingetreten.┬╗

Innehalten

Wenn die Welt still steht, ist es Zeit innezuhalten. Um aus dem Schock zu finden, um wieder etwas Halt und Boden zu sp├╝ren, um bewusst Abschied zu nehmen und um zu lernen, mit der Trauer weiterzuleben. Je langsamer und umsichtiger der Abschied geschehen darf, desto besser kann es den Eltern gelingen, mit dem grossen Verlust zu leben. Fassbare Erinnerungen ÔÇô ihr Kind sehen, ihm einen Namen geben, es ber├╝hren, waschen, kleiden, Fussabdr├╝cke machen, Fotos nehmen - sind unwiederbringbare Augenblicke, die Eltern helfen, aus der Starre zur├╝ckzufinden. So k├Ânnen sie das Eltern-sein leben und mit ihrem Kind verbunden sein, wenn auch nur f├╝r eine viel zu kurze Zeit. Diese kostbare Zeit des Kennenlernens und Willkommenheissen gibt Raum, um danach Schritt f├╝r Schritt Abschied nehmen und loslassen zu k├Ânnen.

 

┬źErst in den letzten Jahren entwickelte sich zunehmend eine Trauerkultur auch f├╝r fr├╝h verstorbene Kinder und ihre Familien.┬╗

Eltern als Eltern begegnen

Als Angeh├Ârige unterst├╝tzen Sie betroffene Eltern am besten, indem Sie nicht schweigen und sich nicht abwenden. Fragen Sie aktiv nach, bleiben Sie in Kontakt und nehmen Sie Anteil. Sagen oder schreiben Sie, was sie f├╝hlen, benennen Sie ihre eigene Sprachlosigkeit und lassen Sie die Eltern erz├Ąhlen. Ungeachtet, ob das Kind in einer fr├╝hen Schwangerschaftswoche oder kurz vor/nach der Geburt gestorben ist, Eltern trauern darum und das steht nun f├╝r l├Ąngere Zeit im Mittelpunkt ihres Lebens. Denn auch wenn das Kind nicht lebt, die Frau wurde zur Mutter, der Mann zum Vater. Und Eltern m├Âchten ├╝ber ihre Kinder und ihre Geburten sprechen und davon erz├Ąhlen. Wenn bereits ├Ąltere Kinder da sind, trauern auch diese um ihren kleinen Bruder oder ihre j├╝ngere Schwester. Geschwisterkinder dr├╝cken ihre Gef├╝hle auf ganz unterschiedlicher Weise aus und m├Âchten geh├Ârt werden. Auch hier gilt, die Kinder einzubeziehen, ihnen den Verlust ihres Geschwisters zuzutrauen und sie nicht durch gut gemeintes Schonen aussen vor zu lassen.

 

┬źDas Ziel all dieser Angebote ist: Die Welt f├╝r betroffene Familien wieder zum Drehen bringen.┬╗

Eine kompetente Begleitung als wichtige Hilfe

Gl├╝cklicherweise gibt es heute immer mehr Angebote und auf diesem Gebiet geschulte Fachpersonen, die Betroffene in dieser Krise begleiten. Eine wichtige Anlaufstelle ist die in der ganzen Deutschschweiz t├Ątige Fachstelle kindsverlust.ch, welche beispielsweise kostenlos betroffene Familien ber├Ąt, ihnen Fachpersonen vermittelt, Gespr├Ąchsgruppen organisiert, und Fachkr├Ąfte und Spit├Ąler professionell ausbildet (mehr dazu siehe unten). Heute gibt es auf immer mehr Friedh├Âfen besondere Gedenkst├Ątte und Grabfelder f├╝r fr├╝hverstorbene Kinder, in vielen St├Ądten haben sich Gespr├Ąchs- und Selbsthilfegruppen f├╝r betroffene Eltern gebildet und f├╝r verwaiste M├╝tter gibt es besondere R├╝ckbildungskurse. Das Ziel all dieser Angebote ist: Die Welt f├╝r betroffene Familien wieder zum Drehen bringen ÔÇô damit sie diese Schicksalsereignis in ihr Leben integrieren und gesund weiterleben k├Ânnen ÔÇô zusammen mit ihrem verstorbenen Kind im Herzen.

Text zur Verf├╝gung kindsverlust.ch_editiert Red. Magnet

 

 

Fachstelle kindsverlust.ch

Seit 2003 ist die Fachstelle kindsverlust.ch das nationale Kompetenzzentrum f├╝r eine nachhaltige Unterst├╝tzung beim Tod eines Kindes in der Schwangerschaft, w├Ąhrend der Geburt und erster Lebenszeit.

 

Angebote f├╝r betroffene Familien:

Kostenlose Beratung rund um Kindsverlust w├Ąhrend der Schwangerschaft, Geburt und erster Lebenszeit

Vermittlung von qualifizierten wohnortnahen Fachpersonen f├╝r die weitere Begleitung

Bereitstellung von verschiedenen Informationsbrosch├╝ren und Merkbl├Ątter wie: Wege bei fr├╝her Fehlgeburt, Umgang mit der Muttermilch nach fr├╝hem Kindsverlust, rechtliche Grundlagen rund um Mutterschaftsurlaub, Beisetzung, und mehr

Von erfahrenen Fachpersonen begleitete Gespr├Ąchsgruppen f├╝r betroffene Eltern

Austauschplattformen und Vernetzung f├╝r betroffene Familien

 

Angebote f├╝r Fachpersonen:

kostenlose Coachings, Beratung und Supervision

Aus- und Weiterbildung der involvierten Fachpersonen aus diversen Disziplinen

Fachtagungen

fundierter Lehrgang zur Thematik des fr├╝hen Kindsverlusts

interne Schulungen f├╝r Institutionen (wie Spit├Ąler, Ausbildungsst├Ątte)

Mit regelm├Ąssiger Sensibilisierungsarbeit setzt sich Kindsverlust.ch in der ├ľffentlichkeit und Politik zum Umgang mit dem fr├╝hen Tod eines Kindes in unserer Gesellschaft ein. Die Fachstelle kindsverlust.ch lebt von Mitgliederbeitr├Ągen, Spenden und Stiftungsbeitr├Ągen.

Direkter Kontakt via: fachstelle@kindsverlust.ch oder Tel 031 333 33 60

 

Sich informieren unter: www.kindsverlust .ch

 

kindsverlust.ch ist eine private Organisation und freut sich ├╝ber Ihre Unterst├╝tzung!

Postcheckkonto: 30-708075-5 E-Banking IBAN: CH19 0900 0000 3070 8075 5

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