Weniger Willkür: Finanzierung der EKS neu geregelt

von Stefan Degen
min
15.06.2026
Die EKS-Synode sagt Ja zu einem neuem Beitragsschlüssel. Die Westschweizer und Tessiner Kirchen gewinnen, Luzern und St. Gallen verlieren.

Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) ist ein Verein – ein Zusammenschluss der reformierten Kantonalkirchen und der Evangelisch-Methodistischen Kirche der Schweiz. Finanziert wird sie durch die Beiträge der Mitgliedskirchen.

Den Schlüssel, mit dem die einzelnen Beiträge berechnet werden, stand schon länger in der Kritik: zu intransparent und zu willkürlich. So beeinflussten mehrere weiche Parameter wie ein «Diaspora-Faktor» oder ein «Ressourcen-Index» den Betrag.

Vernehmlassungsbericht fehlt

Am 15. Juni beschloss nun die Synode der EKS an ihrer Sitzung in Bulle (FR), die alte Berechnungsmethode durch ein neues, vom EKS-Rat vorgeschlagenes Modell zu ersetzen. Dieses richtet sich nach der Mitgliederzahl, berücksichtigt aber durch einen Solidaritätsfaktor auch die Finanzkraft der einzelnen Mitgliedskirchen. Diese variiert zum Teil erheblich, da die Kirchen in manchen Kantonen Steuern von natürlichen und juristischen Personen erhalten, in anderen nicht. «Ein gewisser Ausgleich ist gewollt», sagte der zuständige EKS-Rat Sandro Bugmann (SZ). «Es geht nicht darum, alles strikt nach Kopf zu verteilen.»

Vergeblich wehrte sich die Luzerner Synodalratspräsidentin Lilian Bachmann gegen das neue Modell und plädierte dafür, den Antrag zurückzuweisen. Das Modell sei unausgereift und die zugrunde liegenden Zahlen intransparent. Insbesondere bemängelte sie, dass ein Bericht des Vernehmlassungsverfahrens fehlte.

Luzern: 81 Prozent höhere Beiträge

Die Luzerner Kantonalkirche ist denn auch der grosse Verlierer des neuen Berechnungsschlüssels: Ihre Beiträge werden voraussichtlich um 81 Prozent steigen, was einen wesentlichen Teil des Budgets der Kantonalkirche ausmacht.

Die zweite grosse Verliererin ist die St. Galler Kirche, die voraussichtlich 34 Prozent mehr bezahlen muss. Kirchenratspräsident Martin Schmidt befürwortete den Wechsel dennoch: «Das neue System ist nachvollziehbarer als der alte Schlüssel. Auch wenn wir St. Galler mehr bezahlen müssen.»

«Flat Rate» abgelehnt

Zu reden gab allerdings noch ein alternatives Modell, «Flat Rate» genannt, das der Aargauer Kirchenratspräsident Chistoph Weber-Berg im Frühling eingebracht hatte. Es richtete sich ausschliesslich nach der Finanzkraft der Kirchen und hätte die finanzschwachen Kirchen noch etwas stärker entlastet. Die Synodalen sprachen sich aber mit einer Mehrheit von rund zwei Dritteln für das vom Rat vorgeschlagene Modell und gegen die «Flat Rate» aus. Der neue Berechnungsschlüssel wird nun ab 2028 schrittweise angewendet.

Unsere Empfehlungen