Respekt vor dem Anderssein

Die Neugier auf Neues

von Isabelle Kürsteiner
min
01.01.2026
Bei der Arbeit in der Pflege ist es wichtig, die Grundsätze anderer Religionen zu kennen, um den Menschen entsprechend zu behandeln. Auch das Alterswohnheim-Team ist multikulturell. Respekt vor dem Anderssein und Akzeptanz anderer Lebensentwürfe und -weisen stehen damit im Mittelpunkt, bei der Zusammenarbeit und in der Pflege.

Schon als kleines Kind faszinierte mich der beleuchtete Globus in der Stube unserer Nachbarn. Ich wollte viele Länder kennenlernen, war neugierig auf fremde Kulturen, wie woanders gelebt und miteinander umgegangen wird. Später interessierte mich zunehmend auch die Vergangenheit der Regionen, die ich besuchte. Immer wieder erlebte ich, wie sehr die Orte von den jeweiligen Religionen mitgeprägt worden sind und werden. Verschiedene Religionen, ihre Entstehung, die heutige Auslegung und Praktizierung dessen, was vor Jahrhunderten, ja gar vor Jahrtausenden erstmals aufgeschrieben worden ist, das finde ich faszinierend. In meinen Ferien und bei längeren Aufenthalten in einem Land konnte ich schon sehr viel auch für mich persönlich lernen, wie zum Beispiel das Meditieren oder die Anwendung eines Mantras. Nun, auch wir kennen ja Gesundbeten oder das Wiederholen von Gebeten. Ich bin überzeugt, dass mir nicht nur der christliche Glaube, sondern auch die Technik des Meditierens bei der Gesundung nach meiner Krebsoperation geholfen haben. Da war meine Neugier wohl sogar lebensspendend.  

Neugier zügeln

Gerne würde ich viel und oft nachfragen. Bei Reiseleitungen ist das Fragen normal, bin ich aber alleine unterwegs, dann warte ich – oft ein wenig ungeduldig – ab, bis das Gespräch auf das Thema Religion kommt. Durch das Diskutieren ergeben sich dann immer wieder neue Fragen und der Gedankenaustausch hätte, wäre er nicht zeitlich beschränkt, wohl kein Ende. Immer wieder aber stelle ich fest, dass es viele Parallelen in den verschiedenen Religionen gibt. Trennend sind oft radikale Auslegungen der Schriften. Doch das ist nicht nur bei den Religionen so, sondern allgemein im Leben. Fanatismus schadet, da er meiner Meinung nach mit so viel Angst vor dem Anderssein behaftet ist, dass die Leitplanken derart eng geworden sind, dass es keinen Spielraum für Akzeptanz oder nur schon für Gedanken an Neues mehr gibt.

Akzeptieren und voneinander lernen

Ob bei der Arbeit, und hier schliesse ich die Politik ein, oder im privaten Rahmen, für mich scheint die friedliche Zukunft auf unserem Planeten im gegenseitigen Respekt und in der Akzeptanz des Andersseins zu liegen. Das ermöglicht einen produktiven Dialog und dass wir voneinander lernen und uns gegenseitig unterstützen können. An dieser Stelle danke ich allen Menschen, Tieren und der Natur, die mich bisher lehrten und es in Zukunft noch tun werden. Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich, dass Sie Ihre Lehrerinnen und Lehrer schon kennen oder im richtigen Moment noch kennenlernen werden. Seien und bleiben sie neugierig.    

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