Das Café ohne Namen

Das Café ohne Namen

Caféhäuser. Das sind Orte wie Wartehallen in Bahnhöfen. Man wartet darauf, dass noch jemand kommt, überhaupt jemand kommt oder geht, beobachtet Leute, hört ihnen zu, belauscht sie. Robert Simon, der Protagonist in Robert Seethalers Roman (man beachte die gleichen Initialen), eröffnet im Wien der 60er Jahre ein Café. Ein Ort für Menschen jeglicher Couleur. Dass das Café keinen Namen trägt, ist Programm. Denn: Es sind die Namen der Menschen, die es prägen werden. Sie kommen, um ihre Geschichte, ihre Sorgen und Nöte zu erzählen. Lesend sitzen wir sozusagen am Nebentisch und nehmen am Leben der andern teil. Cafés geben auch uns im Alltag oder im Urlaub eine Auszeit. Und das gilt gleichermassen für die Menschen, die ins namenlose Café kommen und ihm Leben einhauchen. Ihr Leben. Sich dieses von der Seele zu reden, mit andern zu teilen, gewährt Seelenheil. Manchmal. Robert Simon hat sich mit dem Café einen Traum erfüllt und sich um sein Lebensziel gebracht: nämlich, sich eine Traum zu erfüllen. Es ergeht ihm ähnlich, wie jenem Mann bei Mani Matter, der sich endlich seine zu lange Nase kürzen liess und danach die Orientierung verlor, weil er nicht mehr der Nase nachgehen konnte. Mit einem rauschenden Fest nimmt Simon von seinen Gästen Abschied. Ein Aufbruch.

Das Café ohne Namen ist ein Ferienbuch, in dem man interessante Menschen kennenlernt, selbst wenn man zu Hause bleibt.

Robert Seethaler, Das Café ohne Namen
2023, Verlag Claassen

Ein Buchtipp von BĂĽcher Vetter in Basel