Ein Mahnmal für tausende Tote

von Sebastian Schneider
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10.03.2026
Im St. Galler Friedhof Feldli wird im Juni ein Mahnmal für tausende Menschen, die auf der Flucht nach Europa gestorben sind, eingeweiht. Der Künstler ist selber ein Geflüchteter.

«Segel setzen für Menschlichkeit». So lautet der Titel eines interreligiösen Kunstprojekts, bei dem ein Mahnmal im Friedhof Feldli aufgerichtet wird. Das Kunstobjekt wird durch Ahmad Al Rayyan von der St.Galler Kunstgiesserei gefertigt. Es hat die Form eines Segels und erinnert an zehntausende von Menschen, die auf der Flucht nach Europa im Meer ertrunken oder auf dem Landweg gestorben sind. Hinter dem Projekt steht eine Gruppe, welche die Aktion «Beim Namen nennen» jeweils im Juni um den Weltflüchtlingstag durchführt. Mit dabei sind unter anderem der katholische Migrationsseelsorger Chika Uzor, Pfarrer Uwe Habenicht und Pfarrerin Birke Müller von der reformierten Kirche sowie Zen-Lehrerin Franziska Jinen Schneider vom Zen-Zentrum im Grünen Ring.

Namensstreifen wurden beschädigt

Bei der unfassbar grossen Zahl von Menschen, die auf der Flucht nach Europa gestorben sind und weiterhin sterben, geht oft das Schicksal einzelner Menschen vergessen. Die Aktion «Beim Namen nennen» erinnert jeweils in mehreren Städten in der Schweiz und in Deutschland daran, dass hinter jedem einzelnen Fall die Geschichte eines Menschen steht. In St.Gallen schreiben Freiwillige seit 2021 die Namen und Todesumstände dieser Menschen auf schmale Stoffstreifen. Insgesamt wurden hier alleine bereits über 50'000 Namen und Schicksale aufgeschrieben. Die Zahl der von «UNITED against refugee deaths» dokumentierten Todesfälle liegt derzeit bei über 70'000 Toten. Vor zwei Jahren hat die Aktion zum dritten Mal im grösseren Rahmen stattgefunden. Die Streifen mit den Namen der Verstorbenen hingen an einer Konstruktion rund um die Kirche St.Laurenzen. Das Mahnmal wurde jedoch in einem nächtlichen Unglück vorsätzlich oder fahrlässig beschädigt. Fast ein Drittel der Streifen konnten nicht mehr gerettet werden. Da hinter jedem Namensstreifen ein Schicksal und viel Anteilnahme steckt, lassen die Verantwortlichen diese kremieren. Die Asche soll würdevoll auf dem Friedhof Feldli am Mahnmal der Erde übergeben werden.

Spenden gesucht

Das Kunstprojekt fürs Mahnmal wurde ausgeschrieben, wobei sich über 15 Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Schweiz beworben haben. Den Zuschlag erhielt Ahmad Al Rayyan, der mit palästinensisch-syrischer Herkunft selber nach Europa flüchten musste. Das Kunstwerk wird grösstenteils von lokalen Kirchen und Stiftungen finanziert. Für einen Restbetrag von 5000 Franken sind die Initianten auf private Spenden angewiesen. Das Mahnmal wird am 11. Juni, 18 Uhr, in einer interreligiösen Feier eingeweiht. Die Aktion «Beim Namen nennen» findet dieses Jahr am 20. und 21. Juni statt.

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