Befähigung erfahren

von Heinz Mauch-Züger
min
01.01.2026
Dieser Beitrag bringt mich weit zurück an’s Ende der regulären Schulzeit. Das dritte Sekundarschuljahr neigte sich seinem Ende zu und mir war das mehr als recht.

Ausgangslage mässig

Als Pubertierender war ich nicht optimal angepasst und von einem starken Selbstvertrauen konnte keine Rede sein. Meine schulischen Lieblingsfächer Geografie, Geschichte, Sport und Deutsch hielten mich über Wasser, doch immer mal wieder schwappte das Wasser vom Hals in den Mund. Es begann die Lehrstellensuche. Als heutiger «Boomer» wusste man schon damals, dass die Konkurrenz gross sein würde und die Leistung extrem zählte. Schnuppern gab es damals noch nicht. Berufsberatung gab es. Der beratende Herr fand heraus, dass ich es wohl mit Menschen gut könnte.

Und so wartete der Detailhandel auf mich. Nicht zu anspruchsvoll für schulische Tiefflieger wie mich und damit als Berufseinstieg eine Chance. Meine Mutter las Inserate und verarbeitete telefonische und persönliche Absagen. Und plötzlich war da ein Termin für die Vorstellung. Wir reisten an und sprachen vor. Dann kam die Zusage. Meine Mutter strahlte; ich war erleichtert.

Einstieg anspruchsvoll

Im Fühling ging es los. Früh aufstehen, zum Bahnhof radeln, ins Geschäft hetzen. Der Geschäftsführer und Lehrlingsverantwortliche stammte aus Slowenien, lebte jedoch schon viele Jahre in der Schweiz. Er war eine sehr dynamische und korrekte Persönlichkeit. Und er fand bei mir die richtigen Knöpfe. Er diskutierte nie darüber, was nicht genügte, sondern schaute beharrlich auf Verbesserungen. Er erteilte Aufträge und kontrollierte sachlich deren Ausführung. «Was lernen wir daraus?», gehörte zu seinen Standards, die mein Oberstift manchmal etwas sehr penetrant wiederholte. Neben dem Chef gab es ein Team von ganz unterschiedlichen Typen zwischen Besserwissern, Antreibern und stillen Erledigern. Ich musste mit allen meinen Weg finden und lernte zu beobachten und zuzuhören.

Die eigentliche Arbeit des Beratens und Verkaufens machte mir riesigen Spass und auch der Gewerbeschulbesuch entwickelte sich seltsamerweise äusserst positiv. Da unsere Kunden praktisch nur Fachleute waren, lernte ich eine Menge über Metallverarbeitung, das Baugewerbe, Heizung und Klima und vieles mehr. Interne Betriebsfeste und Ausflüge schweissten zusammen. Es herrschte eine respektvolle Kultur und ein entsprechender Umgang. Kritik hatte ihren Platz.

Erfolg erfolgt

Was war geschehen? Lernen machte plötzlich Spass, der Umgang mit Kunden motivierte und schwierige Kunden mit schwierigen Aufgabenstellungen waren ein Highlight. Das Ziel war immer klar: Wir finden eine Lösung, und wenn wir sie nicht haben, dann finden wir jemanden, der sie hat. Da wurden auch Konkurrenten empfohlen, wenn man wusste, dass dort das richtige Produkt oder die fachlich richtige Person zu finden war. Ich erlebte mich als fähig und wahrgenommen. Mir wurden Aufgabenbereiche zugewiesen und ich musste sie selbständig bearbeiten. Mein Wissen und meine Kompetenz nahmen zu und ich konnte den Kunden auch bei kniffligen Aufgabenstellungen die richtigen Produkte mitgeben. Der Effekt war, dass ich nach der Lehre weitere Ausbildungen machte und als Selbstlerner Kurse bei der AKAD belegte. Seit jener Zeit habe ich nie mehr aufgehört mich zuhause und in Lehrgängen weiterzubilden. Dabei ging es mir nie einfach um Wissen, sondern um das erarbeiten von Verständnis, für Entwicklungen und wie daraus das entsteht, was wir Realität nennen. Ich habe es an mir erlebt, was möglich wird, wahr- und ernst genommen zu werden von jemandem, der für mich Verständnis entwickelte und sich ohne Vorurteile mit mir auf den Weg machte. Es löste «Knoten» und weckte Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

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