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Religionen

Gemeinsam am Netz des Friedens knüpfen

Im bevölkerungsreichsten islamischen Land der Welt stehen Minderheiten zunehmend unter Druck. Eine Studienreise der St. Galler Arbeitsstelle für Weltweite Kirche führte 17 Personen nach Indonesien und ermöglichte interreligiöse Begegnungen mit den lokalen Partnern der Basler Mission 21.

Der Kontrast könnte nicht grösser sein. Eine kleine Gruppe von Touristen verfolgt die Vorführung des javanischen Meisters des traditionellen Schattenspiels, während Tausende junger Menschen in den Strassen von Yogyakarta zu indonesischem Techno tanzen. Handys werden in die Höhe gehalten, um die Lasershow auf Instagram zu posten. Fast alle tanzenden Frauen tragen das Kopftuch oder sind verschleiert. 

«Die javanische Kultur ist eine Brücke zwischen den Religionsgemeinschaften.»

Fortschreitende Islamisierung

Eine fortschreitende Islamisierung nach arabischem Vorbild führt in Indonesien zu einem zunehmenden Konformitätsdruck, mit Folgen für das Zusammenleben. Obwohl die radikalen Islamisten bloss zwei Prozent der Bevölkerung ausmachen, bestimmen sie die politische Agenda vor allem durch die sozialen Medien. Religiöse Minderheiten geraten unter Druck, die einstige Toleranz steht auf dem Prüfstand. Es drohen gewalttätige Übergriffe oder fadenscheinige Blasphemieanklagen. 

Interreligiöser Dialog 
Wie können Christen unter diesen Voraussetzungen ihren Glauben leben und öffentlich bezeugen? Djoko Prasetyo Wibowo, Direktor für interreligiöse Studien an der christlichen Universität von Yogyakarta, betrachtet den interreligiösen Dialog als unverzichtbar. Dabei gehe es nicht darum, andere zu evangelisieren, sondern mit ihnen die eigene religiöse Erfahrung zu teilen. Begegnung sei das Ziel. Für die Pastorin Lintang Anggraeni ist die javanische Kultur eine Brücke zwischen den Religionsgemeinschaften. Zusammen mit Musliminnen praktiziert sie den traditionellen Tanz und engagiert sich mit ihrer Kirche  in diakonischen Nachbarschaftsprojekten. Als Folge solcher Initiativen schützen Muslime mancherorts die Weihnachtsgottesdienste ihrer christlichen Nachbarn, der Staat ist nur beschränkt dazu in der Lage. 

«Politisch instrumentalisierte Religionen können die Gesellschaft spalten.»

Angesichts der existenziellen Probleme beeindruckte der Optimismus und die Glaubenskraft der indonesischen Partnerkirchen- und Projekte von Mission 21. Die Missionsorganisation setzt in ihren Förderprogrammen auf Dialog und Friedensarbeit und unterstützt auch islamische Partner, wie das Dialogzentrum der islamischen Universität Yogyakarta oder TK3 in Bandung, eine NGO, die sich mutig für Menschenrechte engagiert. 

Mission ist Friedensarbeit
Während sich der moderne Islam vor allem der sozialen Medien bedient, setzen viele Christen auf den Einbezug von traditionellen kulturellen Elementen, um ihre Zugehörigkeit zur Gesellschaft zu unterstreichen. Besonders deutlich wurde dies während eines Gottesdienstes der Universitätsgemeinde in Banjarmasin auf Kalimantan. Über 200 Studierende, mehrheitlich junge Frauen, brachten biblische Inhalte in lokalen Tänzen zum Ausdruck. Uwe Hummel von Mission 21 ist Dozent an der theologischen Hochschule. Er pflegt auch Beziehungen zu islamischen Koranschulen. Für ihn ist Mission Dialog- und Friedensarbeit. Politisch instrumentalisierte Religion könne die Gesellschaft spalten, ein respektvoller Dialog der Religionen könne aber auch helfen, das Netz des Friedens gemeinsam zu knüpfen.

 

Text: | Fotos: Heinz Fäh, Pfarrer und Kirchenrat, Rapperswil-Jona   – Kirchenbote SG, Januar 2019

 


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