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Gesellschaft

Jugendliche und Armut

Leon ist 16 und rappt gerne. Dass seine Familie von Armut betroffen ist, weiss nicht einmal seine Freundin. Doch als ihnen die Wohnung gekündigt wird, droht alles aufzufliegen. Der Ostschweizer Autor Stephan Sigg gibt mit seinem neuen Jugendbuch «Noch 21 Tage» einen Einblick in das Leben von armutsbetroffenen Kindern und Jugendlichen in der Schweiz.

«Viele Jugendliche haben keine Ahnung, dass etwa 300 000 Gleichaltrige von Armut betroffen sind», sagt der St. Galler Autor, er wolle sie dafür sensibilisieren. «Und natürlich würde ein betroffener Jugendlicher nie darüber sprechen. Man versucht, gegen aussen den Schein zu wahren.» Deshalb habe auch kaum ein Jugendlicher ein Bewusstsein dafür, wie verbreitet Armut in der Schweiz sei. «Noch 21 Tage» will betroffenen Jugendlichen eine Stimme geben: «Die Geschichte ist fiktiv, aber sie ereignet sich so oder auf ähnliche Weise wohl vielerorts in der Schweiz.» 

Armut ist oft unsichtbar
«Beim Stichwort Armut denken viele Jugendliche automatisch an Afrika, Hungersnot oder die Bettler in der Fussgängerzone. Der Protagonist in meiner Geschichte ist ein normaler Schweizer Jugendlicher, der von einer Karriere als Rapper träumt. Keiner würde ihm ansehen, was zu Hause los ist und wie sehr ihn diese Situation unter Druck setzt.» Die Geschichte ermögliche es, den Alltag aus der Perspektive eines Armutsbetroffenen zu erleben. «Die Jugendlichen bekommen so ziemlich direkt mit, was es heisst, in der Schweiz am gesellschaftlichen Rand zu stehen. Was für viele selbstverständlich ist, sei für andere unerreichbar: viel Taschengeld, Shoppingnachmittage, Essen im Fastfood-Lokal … Das löst viel mehr aus, als wenn sie mit nackten Zahlen konfrontiert werden.» 

Die Macht der Instagram-Bilder
Jugendliche können die Armut nicht aus der Welt schaffen, aber durch einen sensibleren Umgang mit Betroffenen ein bisschen den Druck nehmen. «Zum Beispiel mit Instagram. Jugendliche bekommen kaum genug davon, via Instagram und WhatsApp ihren Alltag zu dokumentieren und zu zeigen, wie viel Aufregendes sie täglich erleben. Dass sie damit armutsbetroffene Jugendliche noch mehr unter Druck setzen, ist ihnen kaum bewusst. Die Betroffenen werden ständig daran erinnert, was ihnen alles verwehrt bleibt.»

 Über Arm und Reich sprechen
«Noch 21 Tage» umfasst nur 60 Seiten. «Die Geschichte soll gezielt auch Jugendliche ansprechen, die nicht gerne lesen oder sich damit schwer tun», erklärt Sigg. Die Geschichte eigne sich für die Schule oder für den Firm- oder Konfirmandenunterricht. Zudem gibt es zum Thema als Download kostenlose Unterrichtsmaterialien. Sigg hofft, damit einen Beitrag zu leisten, dass mehr über die Kluft zwischen Arm und Reich gesprochen werde.

«Noch 21 Tage», da bux Verlag, Werdenberg,
Fr. 8.90, 60 Seiten, ISBN 978-3-906876-11-5 

 

Text: Alice Gabathuler und Tom Zai | Foto: pd/da bux  – Kirchenbote SG, Oktober 2018

 


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