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Kirche, Leben & Glauben, Gesellschaft

Wattwil bekommt Gedenkstätte für «Sternenkinder»

26.10.2021
Es ist eines der traurigsten denkbaren Ereignisse: Der Tod eines Kindes während der Schwangerschaft oder kurz danach. Nun bekommt Wattwil eine Gedenkstätte für solche Kinder.
«Wenn Geburt und Tod zusammenfallen»: So heisst eine Broschüre für Eltern von totgeborenen Kindern. Die Begleitung betroffener Eltern ist in einem solchen Fall ausserordentlich wichtig. Dazu kann auch ein Ort der Erinnerung für das verstorbene Kind gehören. Solche Gedenkstätten gibt es an verschiedensten Orten und Regionen der Schweiz: nun auch in Wattwil. «Kirchenvertreter sind mit diesem Wunsch an die Friedhofskommission getreten», sagt der Wattwiler Gemeinderat Pirmin Sieber. Da es bisher in der Region keine Gedenkstätte für frühverstorbene Kinder gibt, habe man diesem Ersuchen entsprochen.
Frauenmänteli mit Schutzsymbolik
Die «Gedenkstätte Sternenkinder»befindet sich in der Nähe der Friedhofshalle in Wattwil. Als «Sternenkinder» bezeichnet man Kinder, die im frühen Stadium der Schwangerschaft sterben und weniger als 500 Gramm wiegen. Die Gedenkstätte ist aber für alle frühverstorbenen Kinder gedacht, die während oder kurz nach der Schwangerschaft sterben. 
Zentrales Element des Erinnerungsortes ist eine Skulptur aus Andeergranit. Sie hat die Form eine Frauenmantelblattes. «Frauenmänteli gehören zu den Heilpflanzen und stehen symbolisch für Schutz und Geborgenheit», sagt Landschaftsarchitekt Stephan Fässler. Er ist im Auftrag einer Arbeitsguppe der Gemeinde Wattwil verantwortlich für die Relisierung der Gedenkstätte. Hinzu kommt, dass sich auf ihrer pelzigen Oberfläche Wassertropfen wie Perlen bilden können. Auch diese Erscheinung der Natur fliesst in die neue Gedenkstätte ein. «Extra hergestellte Glasperlen kleben auf dem Stein und stehen symbolisch für ein verstorbenes Kind», sagt Fässler. Bei Sonnenschein spiegelt sich das Licht darin und es können Regenbogenfarben entstehen oder es glänzt der blaue Himmel. Der rund 1,5 Tonnen schwere Stein hat einen grünlichen Grundton und ist in die Bepflanzung der Umgebung integriert, die teils ebenfalls aus Frauenmänteli besteht.
Wie ist die Wahl auf diese Skulptur gefallen? «Entscheidend war, dass das Frauenmänteli sowohl eine stimmige Symbolik hat wie bildhauerisch realisierbar ist», sagt Fässler. Dies habe die zuständige Arbeitsgruppe überzeugt.
Kirche für Abschiedsrituale zuständig
Für Rituale und Abschiedsfeiern für frühverstorbene Kinder sind die Pfarrämter der Region zuständig. Die für Wattwil zuständige katholische Seelsorgeeinheit Neutoggenburg und die reformierte Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg planen im kommenden Jahr eine Einweihung der «Gedenkstätte Sternenkinder». Zu diesem Anlass gehört auch eine breitere Information der Öffentlichkeit, um betroffene Eltern auf die neue Möglichkeit aufmerksam zu machen. Für Fragen rund um die Gedenkstätte Sternenkinder sind von der reformierten Kirche Pfarrer Daniel Klingenberg (079 787 45 16) und von der katholischen Kirche Seelsorger Alexander Michel (071 374 11 20) zuständig. Betroffene Eltern finden zudem weitere Informationen unter www.kindsverlust.ch.
Text und Fotos: Daniel Klingenberg, St.Gallen – Kirchenbote SG, 26. Oktober 2021

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