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Kirche

«Die Deutschschweizer sollen jenseits des Gotthards bleiben»

07.04.2020
Das Corona-Virus trifft den Kanton Tessin besonders hart. Mehr als 2500 Fälle bestätigt das Bundesamt für Gesundheit anfangs dieser Woche. 582 Menschen sind gestorben. Markus Erny, Pfarrer in Locarno, zur schwierigen Situation in der Tessiner Kirche.

Kurz vor Ostern reisen normalerweise Tausende ins Tessin. Nicht so in diesem Jahr. Vor wenigen Tagen hat Bundesrat Alain Berset die Deutschschweizer aufgerufen, über die Feiertage nicht in den Süden zu fahren und zu Hause zu bleiben. «Die meisten halten sich bis jetzt daran», sagt Markus Erny. Nur wenige der Autos in Locarno hätten eine Deutschschweizer Nummer. Auch der Pfarrer fordert die Deutschschweizer auf, jenseits des Gotthards zu bleiben. Erstens um sich selber zu schützen, weil im Tessin die Ansteckungsgefahr grösser sei. Und zweitens aus Solidarität: Es gibt im Tessin keine freien Spitalbetten, um Erkrankte aus anderen Kantonen aufzunehmen.

Telefon als einzige Verbindung nach aussen
Markus Erny ist als Pfarrer für die Deutschschweizer Reformierten im Tessin zuständig. Er wohnt mit seiner Familie in Locarno. Die Gotteshäuser, in denen er predigt, liegen in Locarno und Ascona. Seine deutschsprachige Gemeinde erstreckt sich über das Gebiet des Locarnese. Sie reicht von Brissago an der Grenze zu Italien bis nach Gudo, das auf halbem Weg zwischen Locarno und Bellinzona liegt. Viele Mitglieder sind pensioniert und über 65 Jahre alt. Der Lockdown habe sie nicht so sehr getroffen, da viele schon zurückgezogen leben, sagt Erny. Einschneidender sei für sie das Verbot, dass über 65-Jährige nicht mehr in den Geschäften einkaufen dürfen. Verschiedene Institutionen, darunter die Kirchen und die politischen Gemeinden, sind aktiv geworden und versorgen die Eingeschlossenen mit Lebensmitteln. Das Telefon bildet bei einigen die einzige Verbindung zur Aussenwelt. Markus Erny sitzt den ganzen Tag lang am Telefon, ruft die Leute an und erkundigt sich, wie es ihnen geht. Das werde sehr geschätzt, erklärt Markus Erny, der ursprünglich aus dem Baselbiet stammt. «Inzwischen bin ich zum Telefonseelsorger geworden.»

Beerdigung mit vier Trauernden
Einige seiner Gemeindemitglieder sind inzwischen am Corona-Virus erkrankt, einer ist gestorben. Es werden noch weitere folgen, ist Markus Erny überzeugt. «Die Todesfallzahlen hinken der Anzahl der Erkrankten hinterher.» Erny darf die Patienten im Spital nicht besuchen. Die Beerdigungen werden als Abdankungen im engsten Familienkreis mit vier, fünf Trauernden gehalten. Markus Erny spricht ein Gebet und den Sterbesegen, mehr gibt es nicht. Für die Zeit nach dem Versammlungsverbot plant die Kirchgemeinde einen Gedenkgottesdienst für die Verstorbenen.

Im Gegensatz zur Deutschschweiz habe das Tessin schon Anfang März auf die Corona-Krise reagiert, so Erny. Veranstaltungen, Versammlungen und Sitzungen wurden abgesagt. Am 9. März beschloss der Kirchenvorstand, keine Gottesdienste mehr durchzuführen. Das Pfarrteam stellte auf Video um. Erny strahlt seine kurzen Sonntagspredigten per Video auf Youtube aus. Das war für ihn eine neue Erfahrung. Die Mitglieder schauen die Beiträge durchaus an. Natürlich gebe es professionellere Fernseh- und Radiopredigten, räumt Erny ein. Aber eine Videobotschaft aus der eigenen Kirche und vom eigenen Gemeindepfarrer, den man kennt, sei doch etwas Persönlicheres.

Und was wird der Pfarrer den Gemeindemitgliedern per Youtube an Ostern predigen? Die Hauptbotschaft des christlichen Glaubens sei mit Ostern gegeben, so der Pfarrer. Wir als Christen haben die Hoffnung, dass auf Karfreitag Ostern folgt. Nach der «Weltklugheit» müsste man sagen, nach dem Leben kommt der Tod, mehr wisse man nicht. «Im Glauben aber haben wir die Zuversicht, dass nach schweren Zeiten neues Leben entsteht. Das will ich an Ostern vermitteln», sagt Markus Erny.

Tilmann Zuber, kirchenbote-online, 7. April 2020


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