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Politik

Klartext zur Integration

10.04.2019
Der Psychologe und Autor Ahmad Mansour fordert, dass sich Migranten klar an die hiesigen Werte halten. Alles andere sei naiv. In der Offenen Kirche Elisabethen in Basel stellte er sich den Politikern aus SP und SVP.

«Klartext zur Integration» heisst das jüngste Buch des Psychologen Ahmad Mansour. Mansour, Israeli mit arabischen Wurzeln, lebt heute in Berlin und besitzt den deutschen Pass. Er kritisiert seit Jahren die Politik wegen ihrer laschen Haltung gegenüber den Islamisten. Entsprechend gefährdet ist Mansour. Zu seinem Auftritt in die Basler Elisabethenkirche begleiteten ihn zwei Sicherheitsleute.

Anhand von Mansours Thesen diskutierte «Basel im Gespräch» über die Integration. Das Besondere war, dass alle Politikerinnen und Politiker auf dem Podium und selbst der Moderator Frank Lorenz, der aus Deutschland stammt, Migrationshintergrund haben. Sibel Arslan, Basler Nationalrätin der Grünen, kam mit elf Jahren aus der Türkei in die Schweiz. Ihre Integration geschah «schleichend» in der Schule, «dann wurde ich überfahren und bin heute integriert», erklärte die Juristin.

«schwierig, sich emotional einzuleben»
SVP-Nationalrätin Yvette Estermann zog 1993 aus der Slowakei wegen ihres Mannes in die Innerschweiz. Ihre Integration dauere noch an, witzelte die Ärztin und verwies auf ihren starken osteuropäischen Akzent. Es sei schwierig gewesen, sich in der Schweiz emotional einzuleben. In ihrer Heimat lebe man in der Familie und rede viel. In der Innerschweiz brauchte es zwei Jahre, bis die Bäckerin am Morgen ihren Gruss erwiderte und ihr zulächelte. SP-Politiker Hasan Kanber ist in der Schweiz geboren. Seine Eltern stammen aus der Türkei. Seine Integration geschah in der Schule und durch den Fussball.

Ahmad Mansour kam mit 28 Jahren nach Berlin. Er erlebte den Kulturschock als Trauma: «Ich konnte die Sprache nicht, war vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen und fühlte mich minderwertig.» Es wäre einfach gewesen, sich in die arabische Parallelgesellschaft zurückziehen, erzählt er. Doch Mansour wollte in der Mehrheitsgesellschaft leben.

Werte müssen für alle gelten
Mansours Haltung ist klar: «Integration ist eine Einbettung in die Wertegemeinschaft westlicher Demokratien, die durch Aufklärung, Freiheit und Abkehr von patriarchalen Strukturen geprägt ist.» Man müsse den Migranten klarmachen, sagte Ahmad Mansour, dass hier Mann und Frau gleichgestellt sind, Kritik an den Religionen zulässig ist und Antisemitismus und Diskriminierung von Homosexuellen strafbar sind.

Yvette Estermann stimmteMansour zu, dass wir ohne Regeln nicht zusammenleben könnten. Die Schweizer trauten sich jedoch nicht, den Migranten zu erklären, was hier gelte, aus Angst, als fremdenfeindlich abgestempelt zu werden. Auch Sibel Arslan will keine falsche Toleranz: Kinder dürften in der Schule kein Kopftuch tragen und müssten am Schwimmunterricht teilnehmen. Doch die SP-Nationalrätin spricht lieber von Partizipation als von Integration. Es brauche beide Seiten. «Wenn wir wollen, dass die Migranten uns ernst nehmen, müssen auch wir sie ernst nehmen.»

«Bei der Integration stehen die Migranten in der Bringschuld», widersprach Mansour. Die Einwanderer müssten sich emotional auf das Land einlassen. «Wenn sie an ihren patriarchalen und frauenfeindlichen Strukturen festhalten, missbrauchen sie die Gastfreundschaft. Sie erhalten in Europa Sicherheit und Freiheit, aber dies nur im Paket mit den anderen Werten.»

«Ihre Naivität hat mich geschockt»
Kürzlich hat Mansour an einer Tagung der Integrationsbeauftragten in der Schweiz teilgenommen. Ihre Naivität habe ihn geschockt. Als er die Stellung der Frauen unter Migranten ansprach, erhielt er die Antwort, auch in der Schweiz würden Frauen diskriminiert. «Diese Leute blenden als Gutmenschen die Probleme aus. Sie begegnen den Migranten nicht auf Augenhöhe und sehen deren Angst, die Identität zu verlieren, nicht.» Sie hätten keine Ahnung davon, wie gross der Druck der Verwandtschaft ist, wenn die Tochter studiert oder der Sohn homosexuell ist. Ein Vater habe ihm letzthin erklärt, er verliere seine Kinder, sie kämen nach Hause und würden nicht mehr arabisch sprechen, sie diskutierten fremde Themen und hörten englische Lieder. Was solle er da noch?

«Es braucht gelungene Beispiele der Integration»
Als Mansours Vater ihn nach langer Zeit erstmals in Berlin besuchte, sei der ansonsten so gesprächige Mann schweigsam geworden, erzählt Mansour. Beim Abschied erklärte ihm der Vater, das Leben in Berlin sei gefährlich, Mansours Frau könne ihn jederzeit verlassen und wenn er sterbe, merke das niemand in der Nachbarschaft. Der Autor forderte, man müsse die Migranten bei der Integration begleiten und ihnen zeigen, wie sie ihre Identität behalten und gleichzeitig in der Gesellschaft ankommen können.

Dafür brauche es Beispiele für gelungene Integration, meinte Sibel Arslan. Den Medien und der Politik warf sie vor, immer nur die negativen Fälle zu thematisieren und so die Gesellschaft unter Druck zu setzen. Ihre Forderungen an die Migranten sind klar: «Lernt die Sprache und bringt euch ein.»

Um dies noch deutlicher zu machen, würde Ahmad Mansour in den Städten Plakate aufhängen lassen mit dem Text: «Sie sind in Europa herzlich willkommen und können hier in Sicherheit leben. Aber Ihre Tochter darf hier mit 18 Jahren Geschlechtsverkehr haben und Sie können als Vater nichts dagegen tun.»

Tilmann Zuber, kirchenbote-online, 10. April 2019


KiK Sommerlager 2020  | Artikel

Angesagt!

Noch ist es nicht ganz eindeutig, doch die Anzeichen mehren sich, dass Lager in den Sommerferien durchgeführt werden können. Deshalb schreiben wir unser traditionelles KiK-Lager einfach mal aus.

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Kirchliches Leben mit dem Corona-Viraus  | Artikel

Es ist wieder möglich!

Ab dem 28. Mai, also auf Pfingsten 2020, sind Gottesdienste wieder möglich. Für die Durchführung gelten die üblichen Vorkehrungen des BAG. Die Kirchgemeinden sind aufgefordert, für Ihre jeweiligen Verhältnisse wirksame Schutzkonzepte zu entwickeln, was in der Woche vor Pfingsten geschehen muss. Interessierte Kirchbürger informieren sich am besten bei der örtlichen Kirchenleitung über die Massnahmen und Möglichkeiten in ihrer jeweiligen Gemeinde.

 

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