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Kultur

All Souls startet durch

Es ist eine kleine Sensation: Nach dreijähriger Projektphase wurde die englischsprachige Gemeinde All Souls in St. Gallen offiziell gegründet.

Heinz Fäh hat das Projekt die letzten drei Jahre mit einem Team an Ältesten (nach der presbyterianischen Tradition werden die Verantwortungsträger «Elders» genannt) begleitet: «Ich fühle mich wie ein Architekt, der den Bewohnern des neuen Hauses nun den Schlüssel übergeben darf.» Von der Projektphase geht es als eigenständige kirchliche Gemeinschaft weiter. Dazu wurde am
30. November ein Trägerverein gegründet und am Sonntag, 2. Dezember fand in einem feierlichen Gottesdienst in der Kirche St. Mangen (St. Gallen) die Übergabe der Verantwortung an eine neue Gruppe von Ältesten statt.

Eine überregionale Gemeinde
All Souls ist nicht lokal, sondern überregional verankert. Der Trägerverein hat den Namen «All Souls Protestant Church, St. Gallen und Ostschweiz» (ASPC). Wegen dieser Besonderheit und weil die Kirchenordnung für diese Art von Gemeinde keine rechtliche Form hat, gilt All Souls als eine von der Kantonalkirche «anerkannte Gemeinde». Sie wird weiterhin von der Kantonalkirche, den verschiedenen Kirchgemeinden in der Stadt St. Gallen und von den Kirchen beider Appenzell und Thurgau unterstützt, die sich zu einem Patronat unter St. Galler Federführung zusammengeschlossen haben. «Ein Konzept zur Finanzierung ist nötig», sagt Heinz Fäh. «Ein wichtiges Anliegen war aber, dass diese neue Gemeinde auch in der Kirche vernetzt ist.» Er ergänzt: «Die Institution ist nur Mittel zum Zweck. Wir wollen keinen Service anbieten, sondern eine eigenständige englischsprachige Gemeinde schaffen. Dass nun Menschen in All Souls ihr spirituelles Daheim gefun­den haben, ist das eigentliche Ziel unserer Vision.»

Kirche als Geburtshelfer
Pfarrer der Gemeinde All Souls ist Scotty Williams. Der gebürtige Amerikaner aus Louisiana, der mit seiner Frau Maria der Gemeinschaft dient, sieht All Souls mehr als Bewegung denn als Kirchgemeinde. «Die Kirche ist von den Menschen und nicht etwa nur für die Menschen. Wir gestalten Kirche gemeinsam.» Dieser persönliche Bezug und eine entschieden offene Kultur prägen die Gemeinschaft. «In den letzten Jahren haben wir so etwas wie eine eigene DNA im Miteinander entwickelt. Das ist unsere Identität. Damit arbeiten wir jetzt weiter. Andere Gemeinden werden ihre ganz eigene DNA finden müssen.» So wie die Kantonalkirche Geburtshelfer für Projekte wie All Souls sein kann, so kann All Souls aus den eigenen Erfahrungen auch für andere Gemeinden Impulse generieren. «Wir suchen die beste Form für die aktuelle Gemeinschaft, schauen aber auch über den eigenen Tellerrand hinaus, wie wir Teil der grösseren Kirche sein können.»

A new beginning
Hannes Schmidt ist Präsident des neuen Vereins. «Mich hat das beziehungsorientierte Konzept von All Souls und die moderne Interpretation überzeugt. Es ist eine tolle Gemeinschaft.» Seit zwei Jahren sei er dabei. Ellie, seine Frau, ist Amerikanerin und über diese Verbindung fand die Familie zu All Souls. Andere Mitglieder leben für einige Jahre in der Schweiz oder studieren für ein Semester an der Uni in St. Gallen. Wieder andere haben selbst einige Jahre in englischsprachigen Ländern gewohnt. «Es ist eine besondere Stimmung», sagt Schmidt. «Das Format dieser Gemeinde erlaubt Entwicklung.» Wohl wegen dieser Haltung hat man den festlichen Auftakt unter den Titel «All Souls – a new begin­ning» gestellt. Man ist nicht angekommen, sondern hat gerade erst den Startschuss gehört.

www.allsouls.ch

 

Text: Karsten Risseeuw | Foto: Augustin Saleem   – Kirchenbote SG, Januar 2019

 

 


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