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Religionen

Kritik am Bau der Moschee hält an

Trotz Baufreigabe klingt die Kritik an der Schaffhauser Moschee nicht ab. Eine Webseite wirft dem Türkisch-Islamischen Verein Schaffhausen vor, der verlängerte Arm Erdogans zu sein.

Im Mai gab der Kanton Schaffhausen bekannt, dass er die Freigabe für den Neubau der Aksa-Moschee am Schalterweg in Schaffhausen erteilt habe. Eine Welle der Kritik brach über den Türkisch-Islamischen Verein herein. In Medienberichten hiess es, dass die türkische Regierung die Moschee über Umwege mitfinanziere. «Die Finanzierung der Moschee liegt im Dunkeln. Ich kann nicht nachvollziehen, dass der Kanton den Bau abgenickt hat», sagte der Schaffhauser Ständerat Thomas Minder in den «Schaffhauser Nachrichten». Auch SP-Grossstadtrat Urs Tanner betonte in einem Interview, dass die Finanzierung «genau beobachtet werden müsse».

Wer steckt dahinter?
Nun formiert sich erneut Widerstand gegen die geplante Moschee. Allerdings aus umstrittener Ecke, wie den «Schaffhauser Nachrichten» zu entnehmen war. Eine Online-Petition fordert die Stadt mit über 11'000 Unterschriften auf, die Baubewilligung zurückzuziehen. Der Aufruf erschien auf der Webseite patriotpetition.org. Sie beschreibt sich als «Initiative aufrechter Patrioten, deren Ziel es ist, dem Volk in der Öffentlichkeit wieder eine starke Stimme zu verleihen». Die Initianten sammeln auch Unterschriften gegen Abtreibung, Homo-Ehe und Feminismus. Wer dahinter steckt, geht aus den Informationen auf der Webseite nicht hervor. Sie richtet sich jedoch bis auf die Petition zur Schaffhauser Moschee in erster Linie an ein deutsches Publikum.

Baubewilligung rechtskräftig
In ihrem an die Schaffhauser Baureferentin Katrin Bernath gerichteten Brief werfen die Initianten dem Bauherrn der Moschee, dem Türkisch-Islamischen Verein Schaffhausen, vor, als «Strohmann» für die Türkisch-Islamischen Stiftung für die Schweiz TISS zu fungieren. Diese sei «ein direkter Ableger des türkischen Religionsministeriums Diyanet in Ankara». Bernath sagte in den «Schaffhauser Nachrichten», sie habe viele Mails mit identischem Text erhalten. Die Mails seien als Spam identifiziert worden. Als solche behandle man das Anliegen, das man nicht als Petition entgegennehme. Die Baubewilligung sei rechtskräftig.

Der Türkisch-Islamische Verein wies sämtliche Vorwürfe zurück. Es brauche den Neubau, weil die alten Räume zu klein seien. «Manchmal müssen wir zum Beten auf die Strasse ausweichen, weil wir zu wenig Platz haben», sagte Ibrahim Erdogan, Präsident des Türkisch-Islamischen Vereins. Der Verein zählt rund 200 Mitglieder. Rund 4600 Muslime leben im Kanton Schaffhausen. Das Gebetshaus stehe allen offen.

Finanzierung aus eigener Kraft
Der Verein finanziere das Bauprojekt aus eigener Kraft. «Wir sammeln Geld, um bei der Bank einen Kredit beantragen zu können», so Ibrahim Tas, Mitglied des Vereinsvorstandes gegenüber dem Kirchenboten. Bis Ende Juni kamen gemäss Tas etwas mehr als 300 000 Franken zusammen. Tas betont: «Es fliessen keine Gelder aus der Türkei oder von regimenahen Kreisen.» Mitte 2018 sollte mit dem Bau begonnen werden. Weil aber das Geld fehlt, musste man den Termin verschieben.

Der Neubau, der 220 Quadratmeter umfasst, wird bis zu 1,7 Millionen Franken kosten. In den Medien war von einer Grossmoschee die Rede. «Das stimmt so nicht», hält Ibrahim Erdogan fest, «nur einen Drittel des Gebäudes werden wir als Gebetsraum verwenden. Der Rest setzt sich aus Gemeinschaftsräumen und aus der Wohnung des Imams zusammen. Es handelt sich um ein Gemeindezentrum, nicht um eine Grossmoschee.»

Keine politischen Botschaften
Eigentümerin der Liegenschaft ist die von den Online-Petitionären kritisierte TISS. Dazu Ibrahim Tas: «Wir haben der TISS die Liegenschaft nominell übergeben und besitzen einen Mietvertrag mit der Stiftung. So kann sich keine fremde Gruppierung in den Verein und uns aus dem Haus drängen.» Die TISS entsendet die Imame aus Ankara. Auf die Kritik, dass die vom türkischen Ministerium für Religion Diyanet ausgebildeten und bezahlten Imame politische Propaganda predigen, entgegnet Tas: «Politische Botschaften sind nicht erlaubt und werden von uns nicht geduldet.» In Schaffhausen folgt jeweils am Ende der Predigt eine deutschsprachige Zusammenfassung.

Auf Imam aus Ankara angewiesen
«Die Imame, die vom Diyanet kommen, sind Staatsbeamte, die sich an die vom Religionsministerium vorgegebene Linie halten müssen», entgegnet Joachim Finger, Pfarrer und Inhaber der Schaffhauser Fachstelle für Religionen und Weltanschauungen. «Diese Linie ist unter dem AKP-Regime konservativer geworden. Aber sie ist nicht fundamentalistisch oder radikal.»

Die Schaffhauser Gemeinde sei auf den Imam aus Ankara angewiesen. «Sie braucht einen Imam für die erste und zweite Generation, der türkisch spricht. Zudem ist es nicht so einfach, über Jahre einen Imam zu finanzieren», sagt der Pfarrer. «Wir sollten den Imamen hier eine Ausbildung ermöglichen. Die Gelehrten hätten dann den hiesigen kulturellen Kontext und würden die Landessprache beherrschen. Das wäre auch im Sinn des Türkisch-Islamischen Vereins.»

Der Religions-Experte sagt klar: «Ich teile die Bedenken gegenüber fundamentalistischen Muslimen, die Religion zur Ideologie machen – aber nicht gegenüber dieser Moschee. Das geplante Gemeindezentrum ist unproblematisch und die Finanzierung transparent. Die Menschen hier sind nicht beeinflusst von Präsident Erdogan», sagt er und betont: «Je besser die Muslime bei uns integriert sind und sie ihre Religion leben können, desto kleiner ist das Risiko für Radikalismus.»

Adriana Schneider, Karin Müller, kirchenbote-online, 1. Oktober 2018


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