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Religionen

Der «Säntisgalöri» und die Nachfolger

Sie nannten ihn «Säntisgalöri». Doch Zwingli war stolz auf seine Herkunft. Der Querdenker aus dem Toggenburg fand mit Ulrich Bräker, dem Maler Willy Fries und seiner Frau sowie dem Künstler Josua Boesch bis heute Nachfolger im Geiste.

Diese weitläufigen Zusammenhänge und die Nachwirkungen der Reformationszeit bis in die Gegenwart zeichnete Pfarrer Walter Hehli in seinem Vortrag in der evangelischen Kirche Wattwil Ende Februar auf. Dank Hehlis gewandter Sprechkunst und dem Gesang des 60-köpfigen, erweiterten Kirchenchors mit musikalischer Begleitung riss die Aufmerksamkeit der vielen Interessierten kaum ab. 

«Bräker erlebte das Ende der Herrschaft des Fürstabts über das Toggenburg. Endlich frei. Freudengesänge ertönen.» 

Es gibt sie heute noch

Zwingli, der für Hehli der grösste Querdenker der Schweiz war, zeigte auf, dass auch Jost Grob zu diesen Köpfen zählte. Als 1601 alle Zürcher Prädikanten aus dem Toggenburg vertrieben waren, gründete er mit andern reformierten Familien – den Boesch, Looser, Giger, Scherrer – einen Stipendienfonds zur Ausbildung eigener Toggenburger Pfarrer. Und, es gibt sie heute noch: Gottlieb Bösch, Krinau, den Künstler und Theologen Josua Boesch oder die Kirchenrätin Barbara Bösch Damaschke, Pfarrerin im Hemberg. 

Der zweitgrösste Toggenburger
Auch Ulrich Bräker gesellt sich zu den reformierten Querdenkern des Toggenburgs. Er, der den Untergang der alten Eidgenossenschaft und das Abdanken des Fürstabtes miterlebte, schrieb: «Ha, Musik und Freudengesänge ertönen. Ein Freiheitsbaum wurde herbeigeschleppt und auf der Pfaffenwiese in Wattwil unter Musik und Tanz aufgerichtet. Alles strebt nach Freiheit, alles will frei werden und wird frei um mich her.»

«Ich weiss, dass viele Leute Mühe haben mit den religiösen Bildern von Fries.»

Starke Frauengestalt
Hehli liess auch die Frauen nicht unerwähnt. Dorothee Fries, in Wattwil als Tochter des Pfarrers Gottlob Wieser geboren, war in den 1960er-Jahren eine Frau der Ökumene. Sie hat den ökumenischen Gebetskreis mitinitiiert, am Weltfrauengebetstag mitgewirkt; ohne sie wäre das Werk ihres Mannes Willy Fries nicht denkbar. «Ich weiss, dass viele Mühe haben mit seinen religiösen Bildern. Sie wollen aber auch gar nicht in erster Linie gefallen, sondern aufrütteln. Das Besondere seiner Werke ist, dass er die biblische Geschichte in unsere Zeit und Landschaft malte. Fries war ein tiefsinniger Theologe und Querdenker. Nicht von ungefähr hat er den Ehrendoktor der Theologie der Uni Bern erhalten.»

 

Text | Foto: Katharina Meier   – Kirchenbote SG, Juni-Juli 2018

 


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