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Gesellschaft

Evangelische Frauen stellen Forderungen für Care-Arbeit auf

Betreuungsarbeit wird vielfach unbezahlt, ohne soziale Absicherung und öffentliche Wertschätzung geleistet. In einer Resolution fordern die Evangelischen Frauen Schweiz nun bessere Rahmenbedingungen für Care-Arbeit.

Wer so genannte Care-Arbeit leistet, also Angehörige pflegt oder Kinder betreut, muss sozial besser abgesichert werden. Zudem sollen auch Männer künftig stärker in die Freiwilligenarbeit einbezogen werden. Dies die Hauptforderungen einer Resolution, die von den Delegierten der Evangelischen Frauen Schweiz an ihrer Versammlung vom 28. April in Bern verabschiedet wurde.

In dem sieben Punkte umfassenden Papier fordern die Evangelischen Frauen Schweiz unter anderem, dass Care-Arbeit sozialpolitisch anerkannt werde. In der Schweiz seien es immer noch vorwiegend Frauen, die freiwillige Betreuungsarbeit leisteten und dafür oft ihre berufliche Karriere aufgäben. Dadurch erlitten sie massive Einbussen bei der Rente. Um wirtschaftliche Benachteiligung zu verhindern, müsse Care-Arbeit deshalb künftig in der Rentenberechnung berücksichtigt werden. Zugleich müssten vermehrt Hilfs- und Entlastungsangebote für Menschen geschaffen werden, die unbezahlte Betreuungsarbeit leisteten. Aus­serdem sei diese gerechter unter den Geschlechtern zu verteilen.

Auch bei der bezahlten Care-Arbeit sehen die Evangelischen Frauen Handlungsbedarf: So seien manche Bereiche gesetzlich noch ungenügend geregelt. Ebenso müsse sichergestellt werden, dass Betreuungsarbeit fair entlöhnt werde.

Ideen für Veränderungen sind vorhanden
Nach Auskunft von Dorothea Forster, Präsidentin der Evangelischen Frauen Schweiz, dient die Resolution als Grundsatzpapier für die politische Arbeit des Verbands. «Es ist uns klar, dass unsere Forderungen nicht von heute auf morgen umsetzbar sind. Es ging uns vor allem ­darum, die Punkte zusammenzutragen, die uns besonders wichtig sind. Darauf können wir aufbauen.»

Konkrete Ideen für die Umsetzung der einzelnen Forderungen seien aber vorhanden, sagt Forster: «Wir könnten uns zum Beispiel vorstellen, dass Frauen und Männer, die Angehörige pflegen, Betreuungsgutschriften an die AHV erhalten. Vorläufig ist das nur möglich, wenn die Angehörigen in unmittelbarer Nähe wohnen.»

Zusammenarbeit mit Männerorganisationen
Immer noch ziemlich am Anfang stehe man bei der Verteilung der Betreuungsaufgaben zwischen den Geschlechtern. «Um diesen Prozess zu fördern, arbeiten wir mit Organisationen wie Mencare zusammen, die sich für männliche Care-Arbeit einsetzen», sagt Forster.

Die Evangelischen Frauen Schweiz vertreten als Dachverband von kirchlichen und kirchennahen Frauenorganisationen die Interessen von rund 40 000 Frauen. Die Förderung der gesellschaftlichen Anerkennung von Care-Arbeit ­gehört zu ihren zentralen Anliegen.

Heimito Nollé, ref.ch, 4. Mai 2018

Dieser Beitrag erschien erstmals in bref, dem Magazin der Reformierten.


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