Mission 21 sucht heutige Reformatorinnen und Reformatoren

min
08.06.2017
Vor 500 Jahren begann die Reformation mit dem Lesen der Bibel. In diesem Jahr stellt «Mission 21» die gesellschaftsverändernde Kraft von theologischer Bildung ins Zentrum seiner Herbstkampagne und porträtiert Reformatorinnen und Reformatoren von heute in den Ländern des Südens.

1517 begann in Europa die Reformation. Mit ihren Forderungen veränderten die Reformatoren die Gesellschaft grundlegend, sozial, politisch und kulturell. Dieses Jahr knüpft das evangelische Missionswerk «Mission 21» an dieses Ereignis an. Es sucht in den Ländern des Südens Reformatoren und Reformatorinnen, die auf einen Wandel in der Gesellschaft hinarbeiten.

Wie vor 500 Jahren, als die Leute begannen, die Bibel selber zu lesen, auf ihr Gewissen zu hören, Autoritäten zu hinterfragen und nach sozialer Gerechtigkeit zu suchen, basiere auch das Engagement dieser «Reformatorinnen und Reformatoren von heute» – englisch «Agents of Change» genannt – auf theologischer Bildung, sagt Christoph Rácz, Medienbeauftragter von «Mission 21». Das Hilfswerk arbeite in den Ländern des Südens mit kirchlichen Institutionen zusammen, weil sie positiv zur gesellschaftlichen Entwicklung beitrügen. Wesentliche Voraussetzung sei, dass die Partnerkirchen und -organisationen tolerant seien und auf eine friedliche Zusammenarbeit setzen.

Potenzial der Religion erkannt
Inzwischen setzt sich diese Einsicht auch bei staatlichen Stellen durch. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA oder das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BMZ wurde auf die Religion als Ressource aufmerksam. So publizierte die DEZA 2005 erstmals ein Arbeitspapier zur «Rolle und Bedeutung von Religion und Spiritualität in der Entwicklungszusammenarbeit». Und das BMZ will «das Potential der Religionen für nachhaltige Entwicklung besser einbeziehen», denn es brauche alle Kräfte – auch die Kraft der Religionen.

In seiner diesjährigen Herbstkampagne thematisiert «Mission 21» die positiven Auswirkungen von Religion in der Entwicklungszusammenarbeit. Insbesondere die Verbindung von theologischer Bildung und gesellschaftlichem Engagement, die «enorme Kräfte» freisetze, sagt Christoph Rácz. Dies illustrieren die Porträts von drei Aktivisten im Kampagnenmagazin «Gesucht: Reformator/innen von heute».

Die Vision eines «guten Lebens»
Der Theologieprofessor Alex Ip Hon Ho hilft Obdachlosen in Hongkong. Die Kleinbäuerin Yaneth Rojas verhinderte den Bau einer Goldmine in Costa Rica. Und Bahati Mshani setzt sich für Waisenkinder in Tansania ein. Die drei handelten aufgrund ihres Glaubens und ihrer theologischen Aus- und Weiterbildung und machten so das gesellschaftsverändernde Potenzial von Religion konkret sichtbar, so Mission 21.

Yaneth Rojas schöpft die Kraft für den Widerstand aus ihrer Geschichte der Unterdrückung, die sie in der Bibel wiederfindet. Alex Ip Hon Ho bezieht sich in seiner Kritik am Kapitalismus auf den Wert und die Vision eines «guten Lebens», den er als Gegenentwurf zu Konsum und Egoismus sieht. «Als Christ möchte ich das Glück mit anderen teilen», sagt der Theologe. Und Bahati Mshani erklärt, dass das Waisenkinder-Projekt der Herrnhuter Brüdergemeine so erfolgreich sei, weil die Religionsgemeinschaft in der breiten Bevölkerung verankert sei und ihr Vertrauen geniesse.

Karin Müller / Kirchenbote / 8. Juni 2017

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».

Unsere Empfehlungen

Kunstwerke als Botschafter eines bedrängten Landes

Kunstwerke als Botschafter eines bedrängten Landes

Die Ukraine kämpft um ihr Überleben. Auch die Kunst des Landes leistet ihren Beitrag dazu. Das Kunstmuseum Basel präsentiert derzeit in der Ausstellung «Born in Ukraine» eine Auswahl bedeutender Werke aus der Kyjiwer Gemäldegalerie, dem nationalen ukrainischen Kunstmuseum.
Frauen mit einem abenteuerlichen Herzen

Frauen mit einem abenteuerlichen Herzen

170 Jahre nach der Gründung des Diakonissenhauses Riehen beleuchtet eine Ausstellung mit Fotos und Texten die Geschichte der Kommunität. Sr. Delia Klingler lebt seit 2017 als Schwester hier. Der Kirchenbote hat mit ihr die Ausstellung besucht.